Vor beinahe fünfzig Jahren, im November 1969, wurde das erste ECM-Album aufgenommen: Mal Waldrons „Free at Last“, unter der Regie von Manfred Eicher. In den darauffolgenden Jahrzehnten entstanden weitere 1.600 Tonträger: also ein halbes Jahrhundert ununterbrochener Betrieb als unabhängiges Label – und dann noch unter derselben künstlerischen Leitung. Die Plattenfirma, im München-nahem Gräfelfing ansässig, feiert ihr Fünfzigjähriges in den kommenden Monaten mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen, unter anderem einer Ausstellung von September ‘19 bis Januar ‘20 in Seoul und vier Abenden Ende September im Victoria Nasjonal Jazz Scene Club in Oslo, im Oktober und November mit einer ECM-Woche beim San Francisco Jazz Festival, zwei von Jazz at Lincoln Center ­veranstalteten Konzerten im New ­Yorker Rose Theater, ECM-Abenden beim Deutschen Jazzvestival Frankfurt, beim Enjoy Festival in Mannheim und dem London Jazz Festival und dem MiJazz-Festival in Mailand sowie einem ECM-Geburtstagswochenende im Brüsseler Kulturzentrum Flagey und zuletzt Anfang Februar 2020 in der Elbphilharmonie mit sieben von Manfred Eicher ausgewählten Konzerten.
Im Jubiläumsjahr hat ECM bereits bzw. veröffentlicht noch im Jazzbereich neue Aufnahmen von Joe Lovano, Ralph Alessi, Dominic Miller, Giovanni Guidi, Vijay Iyer/Craig Taborn, Bill Frisell/Thomas Morgan, Gianluigi Trovesi/Gianni Coscia, Dino Saluzzi, Louis Sclavis, Keith Jarrett, Avishai Cohen/Yonathan Avishai. Hinzu kommen einige Einspielungen von besonderer historischer Bedeutung: „When Will the Blues Leave“ von Paul Bley, Gary Peacock und Paul Motian, 1999 live in Lugano aufgenommen; Keith Jarretts Konzertaufnahme aus dem Jahr 1987 von Buch 1 des Wohltemperierten Klaviers (Johann Sebastian Bach); „Remember Me, My Dear“ von Jan Garbarek und dem Hilliard Ensemble, ein Live-Mitschnitt von der letzten Tournee in der Officium-Besetzung im Jahr 2014 sowie eine erweiterte Fassung von Mal Waldrons „Free at Last“ mit bisher unbekannten Stücken, mit Fotos aus dem Studio und zusätzlichen Liner Notes. Außerdem legt man fünfzig teilweise vergriffene Titel in der Touchstones-Serie vor, die so zu einem besonders ­günstigen Preis wieder im CD-Format verfügbar werden.
Hinzu kommt, dass weitere fünfzig Titel auf ECM und seinem Schwester-Label Japo ab diesem Sommer auf allen Streaming-Diensten verfügbar sind. Damit ist 2019 auch das Jahr, in dem der gesamte ECM-Katalog digital zugänglich ist.

Das New Yorker Label Triple Point Records, von Ben Young und Joe Lizzi betrieben, hat soeben unter dem Titel „DUETS 1992“ Duos von Bill Dixon mit Cecil Taylor als auf 665 Exemplare limitierte Doppel-LP herausgebracht. Es handelt sich um unveröffentlichte Aufnahmen, die 1992 während einer gemeinsamen Tour durch Italien und Frankreich in einer zweitägigen Studio-Session entstanden sind und die eigentlich für Veröffentlichung vorgesehen waren. Die Initiative, die Stücke zu verlegen, kam vom Bill Dixon Trust, Cecil Taylor stimmte in seinen letzten Lebensjahren dem Vorhaben zu. Die Platten, gemastert von analogen Tonbändern, kosten 94 US-Dollar plus Versand und sind bestellbar über http://www.triplepointrecords.com, ein lesenswerter Essay von Ben Young liegt ihnen bei.

Der erste Durchgang des Young Composers Fellowship der WDR Big Band fand mit dem Abschluss­konzert im Juni im Kölner Funkhaus einen würdigen Abschluss. Die initiale Idee zu dem Programm war vom Composer in Residence der WDR Big Band, Vince Mendoza, der auch Workshops für die Jugendlichen leitete, und dem Leiter der WDR Klangkörper Dr. Christoph Stahl gekommen. Das Programm gab vier jugendlichen Talenten Gelegenheit, über zwei Jahre unter Anleitung von Musikhochschulprofessor Florian Ross Komposition und Arrangement zu studieren, beginnend mit kleineren Formationen bis hin zur Bigband. Teilnehmer Daniel Oetz Salcines dazu: „Ich habe in den zwei Jahren unheimlich viel gelernt. Eine tolle Erfahrung!“ Beim Abschlusskonzert führten die Profis der WDR Big Band unter Leitung von Florian Ross die gelungenen Kompositionen und Arrangements der Nachwuchs-Musiker mit großem Engagement und Respekt auf. Saxophonistin Karolina Strassmayer war begeistert: „Es ist unglaublich, was die vier für uns kreiiert haben.“ Auch wenn das sicher kein Auswahlkriterium war, haben drei der vier Teilnehmer einen Migrationshintergrund. Das zeigt, welch kulturelle Bereicherung aus gelungener Integration resultieren kann. Die Teilnehmer für das nächste Fellowship sind bereits ausgewählt.

Bei der vierten Auflage des BMW Welt Young Artist Jazz Award, den die BMW Group in Kooperation mit der Stadt München verleiht, darf sich die Schweizerin Hannah Weiss über die Auszeichnung freuen. Neben Auftritten im Münchner Jazzclub Unterfahrt und bei den Leipziger Jazztagen gibt es ein Preisgeld von 3.000 Euro. Die Jury, die auch den BMW Welt Jazz Award vergab, erklärte: „Ob sie in Tizian Josts ,Feindsender‘-Programmen deutschen Swing der Dreißigerjahre singt, ob mit verschiedenen Ensembles Swing und Modern Jazz, ob sie sich in der Jazzrausch Bigband oder bei Ark Noir im Umfeld von Techno- oder Electro-Jazz bewegt oder ob sie mit ihrer eigenen Hannah Weiss Group Pop-Themen in einen improvisierenden Jazz-Zusammenhang stellt – Hannah Weiss glänzt stets mit makel­loser Gesangstechnik, dem Feeling für den jeweiligen Song und einer imponierenden Natürlichkeit und Ausstrahlung.“

Das Miguel Zenón Quartet erhält den diesjährigen Achava Jazz Award, den Achava Festspiele Thüringen und die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar vergeben. Der Preis, mit 11.000 Euro dotiert und am 28. September verliehen, „zeichnet ein künstlerisch herausragendes Band-Projekt aus, das den transkulturellen Charakter des Jazz ins Zentrum seines Schaffens stellt und dies auf hohem künstlerischen Niveau umsetzt, indem es die improvisatorischen oder kompositorischen Ausdrucksmittel des Jazz beispielsweise mit Volksmusik, populärer Musik oder europäischer Kunstmusik vermischt“ – heißt es von den Preisstiftern. Der Saxophonist Miguel Zenón, der in Puerto Rico geboren und aufgewachsen ist, lebt in New York und bringt lateinamerikanische Folkmusik und Jazz zusammen. Dem Quartett gehören an: Luis Perdomo (Klavier), Hans Glawischnig (Kontrabass) und Henry Cole (Schlagzeug).