Joachim Kühn zeigt in der Galerie Jens Goethel in Hamburg seine Kunstwerke. Es sind abstrakte Schöpfungen in Farbe, Komposition und Struktur. Der Pianist kam durch den Schlagzeuger Daniel Humair in den 1980er Jahren zur Malerei. Das Licht auf der Insel Ibiza, seiner Wahlheimat seit 25 Jahren, war dann der letzte Auslöser für Joachim Kühn, selbst zu Pinsel und Farbe zu greifen. „Noten oder ein Bild – beides sind Kunstwerke für mich. Ich male abstrakt, das ist mein Kunstgeschmack, aber ich bin eigentlich offen für alles. Ich bin kein studierter Künstler oder Maler. Das Malen ist für mich Hobby“, sagt Kühn. Die Eröffnung der Ausstellung ist am 10.5. und steht unter dem Titel „Schönheit und Wahrheit“. Einen Tag später bestreitet Joachim Kühn ein Solokonzert in der Fabrik der Künste in Hamburg.
Al Jarreau starb am 12.2. im Alter von 76 Jahren in einem Krankenhaus in Los Angeles. Schon zuvor kam die Meldung von Jarreaus Erschöpfung, seinem bedenklichen Gesundheitszustand. Vor vier Jahrzehnten war dem aus Milwaukee stammenden Vokalisten der Beginn einer Weltkarriere vergönnt. Der gewitzte Entertainer und großartige Songwriter beeindruckte mit ungeheurer Improvisationslust, einer breiten Ausdrucksskala, einer phänomenalen Flexibilität und verblüffenden Instrumentalimitationen. Er war zunächst stark im Rhythm ’n‘ Blues, im Pop verwurzelt, doch in den letzten Jahren rückte er immer stärker den Jazz in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit. Seine CD „Accentuate The Positive“, die 2004 erschien, machte seinen künstlerischen Richtungswechsel klar. Der siebenfache Grammy-Gewinner bestritt mit der NDR Bigband Ende letzten Jahres mit „The Duke Ellington Songbook“ eine Reihe von Konzerten in Deutschland, wo er besonders geschätzt wurde und wo seine Karriere nach einem Auftritt im Onkel Pö vor vier Jahrzehnten erst so richtig in Schwung kam.
Jazz im Pferdestall heißt eine Konzertreihe auf Schloss Agathenburg, deren künstlerischer Leiter Nils Wülker ist. Seit 2013 lädt Wülker einmal im Monat hochkarätige Ensembles nach Agathenburg ein. Die Gastspiele in der lockeren Jazzclub-Atmosphäre mit ländlichem Flair begannen bereits im Februar mit Karolina Strassmayer & Drori Mondlak, am 18.3. wird das Emil Brandquvist Trio, am 8.4. Der Weise Panda, am 13.5. Frank Woeste als Pianosolist, am 29.7. Edward Maclean’s Me & You, am 23.9. Olivia Trummer, am 21.10. Max Frankl’s CARGO und am 11.11. das Anke Helfrich Trio zu Gast sein. Der Trompeter, der 2015 die erfolgreiche CD „UP“ bei Warner Music vorlegte, bei der auch Max Mutzke, Sasha und Yavier Naidoo zu hören sind, arbeitet derzeit an seinem nächsten Album. Info: www.schlossagathenburg.de
Abdullah Ibrahim wird am 7.7. zum Auftakt von jazzopen Stuttgart für sein Lebenswerk mit der German Jazz Trophy im Rahmen eines Konzertes im Eventcenter SpardaWelt in Stuttgart geehrt, bei dem der jetzt 82-jährige Pianist solo auftritt. Der unter dem Namen Adolph Johannes Brand in Kapstadt geborene Künstler lernte als 7-jähriger Klavier spielen, mit 15 wurde er professioneller Musiker, arbeitete mit einigen lokalen Bands und machte sich mit der Formation Jazz Epistles, zu der u. a. Hugh Masekela gehörte, einen guten Namen. 1962 verließ er seine Heimat, zog nach Zürich, wo er fast zwei Jahre mit seinem Trio im Cafe Africana auftrat. Dort entdeckte ihn Duke Ellington, der ihm den Kontakt zum Reprise-Label vermittelte, bei dem er 1963 die Platte „Duke Ellington Presents The Dollar Brand Trio“ vorlegte. Er fungierte danach in den USA bisweilen als Ersatz für Ellington, trat beim Newport Jazz Festival auf, spielte u. a. mit John Coltrane, Ornette Coleman, Elvin Jones, Don Cherry und Gato Barbieri. Seine Musik war zunächst einerseits von religiösen Hymnen und Tanzmusik aus Südafrika, sowie von seinen Vorbildern Ellington, Thelonious Monk und Randy Weston beeinflusst, bis er zu einer unverwechselbar eigenen, magischen Spielweise fand. Bei seinen Aufenthalten in seiner Heimat, engagierte er sich an der Anti-Apartheid-Bewegung, versuchte sein Glück dann abermals in den USA und präsentierte 1982 in Europa seine „Kalahari Liberation Opera“. In Kapstadt gründete er eine Musik-Akademie, bildete das Cape Town Jazz Orchestra, konnte seine Musik mit Sinfonieorchestern aufführen, arbeitete meist als Pianosolist und legte einen Klavierzyklus unter dem Titel „African Songs“ vor. 2009 erhielt Abdulla Ibrahim den Aachen Innovationspreis Kunst. Im Mittelpunkt seiner heutigen Aktivitäten steht sein Soloprojekt „Senzo“, bei dem er sich auf seine südafrikanischen Wurzeln bezieht. Seit ein paar Jahren lebt der Pianist vorwiegend in Deutschland.
Nate Wooley wird am 3.4. unter dem Titel „The Complete Syllables Music“ eine Box, die vier CDs umfasst, veröffentlichen. Sie enthält Solo-Kompositionen des Trompeten-Experimentalisten, der auch analoge Synthesizer einsetzt. U. a. ist das 150 Minuten lange elektro-akustische Werk „For Kenneth Gaburo“ erhalten, das Wooley im Experimental Media Performing Arts Center in Troy, N. Y. aufnahm.
Mats Gustafsson und Alfred Vogel legten ein Duo-Album unter dem Titel „Blow+Beat“ bei Boomslang Records vor. Als Gustafsson mit seinem Power-Free-Jazz-Trio bei Vogels Festival Bezau Beatz gastierte, kamen beide überein gemeinsame Aufnahmen zu machen. Gustafsson meinte danach: „Mein Baritonsaxophon klang besser als je zuvor“ in dieser Duokonstellation mit dem Drummer und Junk-Percussionisten.
Further On Up The Road – Eine Reise durch die Welt des Blues heißt eine Ausstellung, die vom 7.-17.3. in der Kreissparkasse Birkenfeld in Idar-Oberstein gezeigt wird. Sie besteht aus 45 Fotos, die Martin Feldmann in den 1980er Jahren bei Field-Trips durch die USA sowie bei Konzerten in Europa gemacht hat. Darunter sind Porträts von Buddy Guy, Albert Collins, Otis Rush, Koko Taylor, Katie Webster und Margie Evans. Ebenso gehören Bilder von der Maxwell Street in Chicago zu dieser Ausstellung, die der Verein Blue Note nach Idar- Oberstein holt, unterstützt vom städtischen Jugendamt und der Kreissparkasse.
Nat Hentoff starb im Alter von 91 Jahren. Sein Sohn Nick schrieb via social media: „Er starb im Kreis seiner Familie und hörte dabei Billie Holiday.“ Hentoff war der renommierteste und einflussreichste Jazzautor, der aufgrund seiner persönlichen Beziehungen zu vielen Größen des Jazz besondere Einblicke in die Jazz­welt gewann und vermittelte, Er arbeitete für die New York Times, den New Yorker, die Washington Post, die Village Voice, das DownBeat und weitere Zeitungen und Zeitschriften, als Jazz Produzent, betreute die Fernsehsendung „The Sound of Jazz“. Hentoff sah im Jazz eine Lebenskraft, die ihm oftmals auch in Erschöpfungszuständen neue Energie vermittelte.
Michael Villmow erhielt den Auftrag für eine Komposition für das Bundesjazzorchester und dessen 10-köpfiges Vokalensemble zum Reformationsjubiläum. „Das Werk ‚Verley uns Frieden‘ wird Respekt vor der Kraft, dem Mut und der Spiritualität Martin Luthers und der Reformation, aber auch vor der Musiktradition, widerspiegeln. Jedoch wird dies aus unserer heutigen musikalischen und persönlichen Perspektive geschehen, im Sinne Luthers und des Jazz! Mit Platz für Eigenständigkeit, Kreativität und individuellen, gern auch frechen Ideen der Solisten – getragen von der Gemeinschaft des Ensembles und für den Gesamtklang“, so Michael Villmow. Das Werk „Verley uns Frieden“ wird in der Winterarbeitsphase des Bundesjazzorchesters vom 4.-11.3 in der Bundesakademie Trossingen einstudiert. Dabei unterstützen renommierte Dozenten wie Rob Bruynen, Tobias Wember, Matthias Erlewein, Hanno Busch, Hans-Kristian Kjos Sørensen und Juan Garcia den jungen Jazznachwuchs. Die ersten Aufführungen finden am 10.3. in Trossingen, in der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung, am 11.3. in Dessau in der Johanneskirche im Rahmen des Kurt Weill Festes und am 14.3. in Berlin im Französischen Dom im Rahmen des Kongresses „500 Jahre Gesellschaft im Wandel – Was hält die Demokratie in Deutschland zusammen?“ statt. Im Mai und Juni gibt es weitere Konzerte.